ID: INTERVIEW · AUSTRIA

Annika Stein.

Three Decks Deep.

Annika Stein über Improvisation, den richtigen Platz für jeden Track und die Momente, in denen sie selbst einfach zuhört.

Im Gespräch mit Annika Stein
Annika Stein · Karl Michael
Foto: Karl Michael · SCENE:ID art direction

Ein drittes Deck verändert für Annika Stein die Art, wie Musik zusammenkommt. Einzelne Tracks werden zu Schichten, Übergänge weniger vorhersehbar. Entscheidend bleibt aber, ob der Körper noch weiß, wohin er tanzen soll. Über dieses Gespür spricht sie ebenso offen wie über den anderen Moment im Set: wenn eine eigene Produktion läuft und sie gemeinsam mit dem Publikum zuhört.

Die Wiener DJ und Produzentin Annika Stein spricht anlässlich ihres Workshops „Three Decks Deep“ über das Spielen mit mehreren Decks. Am 23. Oktober 2026 unterrichtet sie diese Arbeitsweise zum ersten Mal; zuvor hat sie gelegentlich Anfängerinnen unterrichtet. Vier Fragen per E-Mail, behutsam redigiert und für die englische Fassung übersetzt.

01 / IM GESPRÄCH

Mehr Raum für Improvisation.

Annika Stein an den Decks während eines Auftritts.
Foto: Annika Stein (bereitgestellt)

Erinnerst du dich an einen Moment, in dem dir das dritte Deck zum ersten Mal eine musikalische Möglichkeit eröffnet hat, die dir mit zweien gefehlt hat? Was hast du da ausprobiert?

Als ich zum ersten Mal die Möglichkeit hatte, auf drei Decks zu spielen, habe ich gemerkt, dass ich damit viel mehr Improvisation in DJ-Sets einfließen lassen kann. Wird mit zwei Decks von A nach B gemischt, ist für Menschen mit gutem musikalischem Gespür eine gewisse Berechenbarkeit gegeben. Das ist nicht schlimm, aber für mich persönlich ist es spannender, wenn auf einer guten Anlage im Club mehrere Schichten und Ebenen ineinanderfließen.

Zumindest bei den Tracks, die ich gerne habe. Das funktioniert nur, wenn im einzelnen Song nicht zu viel passiert. Drei oder vier Decks bedeuten für mich: noch tieferer Fokus beim Auflegen, ineinanderfließende Musik, deren einzelne Bestandteile nicht mehr auseinanderzuhalten sind, und positiv überraschte, begeisterte Gesichter.

02 / IM GESPRÄCH

Der Fuß muss noch wissen, wohin.

Wenn mehrere Tracks gleichzeitig laufen: Woran hörst du, ob sie sich gegenseitig interessanter machen oder einander nur Platz wegnehmen? Wie entscheidest du dann?

Wenn zu viel gleichzeitig passiert, weiß der Fuß auch nicht, wohin er tanzen soll. Daher: Less is more. Wichtig ist trotzdem, den Spannungsbogen nicht zu plötzlich abfallen zu lassen.

Bei drei Decks oder mehr ist es sehr wichtig, die Musik, die ich in den Club mitbringe, vorher gut zu kennen. Ansonsten kann es chaotisch werden. Chaos entsteht sowieso, aber die Kunst liegt darin, es immer wieder in den Griff zu bekommen. Dadurch entsteht eine ganz eigene, tolle Dramaturgie. Diese Art aufzulegen ist für Menschen aufregend, die Freude am Improvisieren haben.

Wenn zu viel gleichzeitig passiert, weiß der Fuß auch nicht, wohin er tanzen soll.
03 / IM GESPRÄCH

Zum ersten Mal weitergeben.

Mit „Three Decks Deep“ unterrichtest du am 23. Oktober erstmals deine Arbeitsweise mit mehreren Decks. Mit welchen Erwartungen gehst du in diesen Workshop?

Am 23. Oktober unterrichte ich zum ersten Mal, wie ich Multi-Deck-Sets auflege. Vorher habe ich nur ab und zu Anfängerinnen unterrichtet. Ich bin sehr gespannt auf die Fragen, die auftauchen werden. Vielleicht sind das Fragen, die mir selbst auch schon begegnet sind.

04 / IM GESPRÄCH

Drei Minuten gemeinsam zuhören.

Wenn du eigene Tracks produzierst, kennst du auch die andere Seite des Mixers. Welche Freiräume lässt du in einem Stück bewusst offen, damit andere DJs beim Spielen etwas Eigenes daraus machen können?

Meine eigenen Tracks sind tatsächlich eher zum klassischen Mixen gedacht. Wenn ich eigene Songs spiele, bedeutet das für mich: drei Minuten lang die Produktion auf einer lauten Anlage hören und mit dem Publikum einen Augenblick auf einer anderen Ebene erleben.

Ich genieße dann mehr den Moment, als komplizierte Mischungen mit drei oder vier Reglern am Mixer zu bauen. Das passiert danach sowieso gleich wieder.

WEITERENTDECKEN

Annika Stein

Interview per E-Mail · Redaktion und Bildgestaltung: SCENE:ID. Karl Michael · SCENE:ID art direction · Annika Stein (bereitgestellt)