ID: INTERVIEW · AUSTRIA

BTWRKS.

Zwischen Produktion und Emotion.

BTWRKS über „ahead“, Melodien zwischen Pop und Drum & Bass und einen ganz besonderen Moment beim Electric Love.

Im Gespräch mit Raphael · BTWRKS
BTWRKS wearing his orange cap. Photograph: blackbeck.at; image treatment: SCENE:ID.
Foto: blackbeck.at · SCENE:ID

Eine Topline, ein paar Akkorde und ein gemeinsamer Studiotag: Raphael erzählt, wie „ahead“ von BTWRKS mit Julies Stimme seine Form gefunden hat. Als BTWRKS verbindet er persönliche Geschichten mit der Energie von Drum & Bass. Im Gespräch geht es um Platz für Stimmen, Songs, die bleiben, und einen Festivalabschluss, bei dem die Emotion beinahe überwältigend wurde.

Hinter BTWRKS steht der österreichische Produzent und DJ Raphael Kaufmann. Seine Musik verbindet melodische Hooks mit Drum & Bass und Einflüssen aus Pop und Trap. Für dieses schriftliche Gespräch im Oktober 2026 erzählt er von „ahead“, „taught me“ und seinem kreativen Alltag.

01 / IM GESPRÄCH

Die Entstehung von ahead

Bei „ahead“ schreibst du über die Gedanken an die Zukunft und darüber, was du eigentlich erreichen möchtest. Wie wurde aus diesem Gefühl die erste musikalische Idee? Gab es einen Klang oder eine Melodie, bei der du gemerkt hast: Das trifft es?

Die Geschichte von „ahead“ ist zuerst in meinem Kopf entstanden. Das Thema war im Studio einfach sehr präsent, also habe ich angefangen, damit herumzuprobieren. Begonnen habe ich mit einer Vocal-Melodie, einer Topline, und mit den Lyrics. Über den Songtext habe ich den Vibe der Story gefunden, und das war der Startpunkt für den ganzen Track.

02 / IM GESPRÄCH

ahead – zwölf Stunden, ein Song

BTWRKS im Porträt mit Kappe und ärmellosem Shirt. Foto: blackbeck.at.
Foto: blackbeck.at · SCENE:ID

An „ahead“ haben auch Julie mit ihrer Stimme und Christoph Wall am Klavier mitgewirkt. Was stand schon, bevor die beiden dazukamen, und welcher ihrer Beiträge hat dich dazu gebracht, das Stück noch einmal neu zu denken?

Das war tatsächlich ziemlich witzig. Außer den Lyrics, der Topline und ein paar Akkorden, die ich schon vorher hatte, stand noch nicht viel. Dann waren Julie und ich im Studio, wir waren vorher essen und haben danach einfach ein bisschen gejammt. Es gibt ja diese Momente, in denen es einfach läuft, und das war so einer. Dabei sind die neuen Akkorde und die Melodie für „ahead“ entstanden, und da hat es geklickt: Das passt richtig gut, auch zur Topline. Der Song ist dann an diesem einen Tag in etwa zwölf Stunden Studio von Anfang bis Ende produziert worden.

Julie hat dem Ganzen den letzten Schliff gegeben, denn die Topline war bis dahin nur mit meiner Stimme aufgenommen. Danach kam noch eine Session mit Christoph am Klavier, dann Mixing und Mastering. Christoph hat mit seinem Piano ein Element eingebracht, das sehr einzigartig ist und die Essenz des Songs richtig gut unterstreicht. So konnte ich die Story, die ich erzählen wollte, auch musikalisch vermitteln.

Mir ist wichtig, dass Melodien genauso wie Stimmen die nötige Freiheit und den nötigen Platz bekommen.
03 / IM GESPRÄCH

Pop trifft Drum & Bass

Blick auf die Electric-Love-Bühne mit BTWRKS und dem Publikum. Foto: blackbeck.at.
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Deine Musik verbindet eingängige Melodien mit Drum & Bass und anderen Bass-Sounds. Wie entscheidest du beim Produzieren, wann eine Melodie Raum braucht und wann die Drums übernehmen dürfen? Erzähl gern an einem eigenen Track, wie du diese Balance gefunden hast.

Mir ist wichtig, dass Melodien genauso wie Stimmen die nötige Freiheit und den nötigen Platz bekommen. Ich fange gern mit der Melodie an. Wenn schon eine Topline darübersteht, lege ich beides zusammen und baue daraus ein Arrangement. Dabei kristallisiert sich ziemlich schnell heraus, wo der Drop hinkommt und wo nur die Melodie oder der Gesang stehen soll, denn Vocals brauchen oft viel Platz. Ich mag die Dynamik zwischen melodischen Passagen und einem Drop, der emotional ist und trotzdem Energie mitbringt.

Die Balance gefunden habe ich meiner Meinung nach bei „taught me“. Das war der erste Track in die Drum-&-Bass-Richtung, die ich jetzt mache. Da habe ich viel herumgebastelt und mich im Studio eingesperrt, um die Story emotional über Melodien zu erzählen. Dort habe ich gemerkt, dass man mit poppigen Breaks beginnen und trotzdem gut in einen Drum & Bass-Drop überleiten kann. Der Moment, in dem die Melodie bewusst Platz bekommt, ist der Break mit dem Chorus-Part. Das ist für mich ein sehr, sehr catchy Part.

04 / IM GESPRÄCH

Ein Traum auf der Bühne

BTWRKS vor dem Publikum beim Electric Love, von der Bühne fotografiert. Foto: blackbeck.at.
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Über deinen Electric-Love-Auftritt schreibst du sehr persönlich. Was war das für ein Moment, die eigene Musik bei einem großen Festival in deiner Heimat zu spielen? Hat dich die Reaktion auf einen bestimmten Track überrascht?

Electric Love hat einen besonderen Platz in meinem Herzen. Seit dem Tag, an dem ich mit 15 angefangen habe, Musik zu machen, war es mein Traum, dort einmal zu spielen. Mein bester Freund und ich haben schon damals darüber geredet, es war ein großes Bild in meinem Kopf, bis es dann wirklich passiert ist. Zu Hause spielen zu dürfen, wo jedes Jahr Freunde und Familie dabei sind, ist unendlich schön. Wenn man sich vorstellt, dass man als junger Bursche anfängt und dann die Ehre hat, auf so einem Festival die eigenen Songs zu spielen, ist das Wahnsinn.

Überrascht hat mich „taught me“. Der Song trägt für mich persönlich viel Emotion und eine tiefgründige Story, die 2025 passiert ist, und er war der letzte Track meines Sets. Das war ein ganz besonderer, emotionaler Moment. Ich war ganz, ganz kurz davor, auf der Bühne zu weinen.

05 / IM GESPRÄCH

Wieder im Flow

Du hast kürzlich davon erzählt, wieder drei Songs pro Woche zu machen. Woran merkst du bei so vielen Ideen, welche wirklich weiterverfolgt werden sollte? Gibt es eine Skizze, die zunächst unscheinbar war und später besonders wichtig wurde?

Ich bin wieder aus meinem Writer’s Block heraus, der aus persönlichen Gründen entstanden war, und aktuell ist der Flow wieder richtig gut. Ganz so streng sind es allerdings nicht immer drei Songs pro Woche. Das kann sich von Woche zu Woche ändern, und dann dauert ein Song eben zwei Wochen oder einen Monat. Das gehört zum kreativen Prozess. Manche Ideen kommen auch mitten in der Nacht, dann setze ich mich noch einmal an den PC oder summe oder spiele eine Melodie ein.

Was ich weiterverfolge, ist am Ende oft eine Gefühlssache. Ich mache gern viele Songs so weit fertig, dass man sie releasen könnte. Das letzte Prozent hole ich meistens nur bei Tracks heraus, die ich in Sets spiele oder veröffentliche. Entscheidend sind für mich drei Fragen: Wie wichtig ist mir die Story, die ich erzählen will? Bleiben die Melodien in meinem Kopf? Und wie wichtig ist mir der Song insgesamt?

Eine Skizze, die auch erst unscheinbar war und dann besonders wurde, ist „breathing again“. Am Anfang war es nur eine Melodie, die ich mochte, und von da aus hat sich alles entwickelt.

Interview per E-Mail · Redaktion und Bildgestaltung: SCENE:ID. blackbeck.at · SCENE:ID