Walter Robotka.
Musik zurück in die Welt bringen.
Walter Robotka über Klanggalerie, zehn Jahre Geduld mit den Mnemonists und die Freude an verschollen geglaubten Aufnahmen.
Im Gespräch mit Walter Robotka
Zehn Jahre lang hat Walter Robotka die Mnemonists davon zu überzeugen versucht, ihre alten Platten wieder zu veröffentlichen. Dass es schließlich geklappt hat, ist für ihn mehr als eine Erweiterung des Katalogs: Musik, die ihn seit den Achtzigern begleitet, wird wieder zugänglich. Für SCENE:ID spricht er über solche langen Verbindungen, neue Entdeckungen und Freundschaften, die aus der Arbeit mit den Residents entstanden sind.
Bei Klanggalerie treffen neue Aufnahmen auf Wiederveröffentlichungen; Jazz, Rock, Noise und Elektronik stehen nebeneinander. Robotka erzählt, was ihn an dieser Vielfalt interessiert und wie ihn die Wiener Konzertorte Rhiz und Porgy & Bess geprägt haben. Fünf Fragen, schriftlich beantwortet; sprachlich behutsam redigiert.
Musik zurück in die Welt bringen.
Bei Klanggalerie stehen neue Aufnahmen neben Wiederveröffentlichungen. Erinnerst du dich an eine Platte, bei der du unbedingt wolltest, dass sie wieder erhältlich ist? Was hat dich daran so gepackt?
Da gibt es ganz viele. Ich höre diese Arten von Musik ja schon seit über 40 Jahren. Vieles, was ich seit damals liebe, gab es nicht auf CD. Aktuell z. B. die Alben der Mnemonists. Ganz tolle Musik, hat mich sehr geprägt, und jetzt bringe ich sie zurück in die Welt. Das ist eine schöne Sache.
Es muss etwas auslösen.
Gerade sind bei euch Chuffdrone und eine Wiederveröffentlichung der Mnemonists erschienen – zwei ziemlich unterschiedliche Klangwelten. Was muss Musik bei dir auslösen, damit du sagst: Die möchte ich auf Klanggalerie veröffentlichen?
Sie muss mich auf irgendeine Art erwischen. Chuffdrone finde ich eine der spannendsten österreichischen Jazzbands zurzeit. Die vier Mitglieder spielen ja in ganz tollen Ensembles, zwei davon unter anderem bei Other:M:Other – eine andere Lieblingsband, deren beide Longplayer ich auch herausgebracht habe. Die Mnemonists begleiten mich seit Mitte der Achtziger. Ich habe zehn Jahre gebraucht, um sie davon zu überzeugen, dass ihre alten Platten wieder erscheinen sollten. Umso größer ist die Freude, dass es jetzt so weit ist.
Was für ein Privileg, das dann herauszubringen.
Aus Zusammenarbeit wird Freundschaft.
Welche Veröffentlichung hat einen ganz anderen Weg genommen, als du anfangs gedacht hattest? Vielleicht durch einen Zufall, eine unerwartete Begegnung oder Material, mit dem niemand mehr gerechnet hat.
Als ich zum ersten Mal mit den Residents arbeiten durfte, hätte ich nicht gedacht, dass sie einmal gute Freunde werden und wir über viele Jahre zusammenarbeiten werden. Verschollen geglaubtes Material taucht immer wieder auf – eine ganz besondere Freude. So gab es z. B. alternative Versionen der Alben von Snakefinger, von denen niemand mehr wusste. Was für ein Privileg, das dann herauszubringen.
Wien bleibt ein Bezugspunkt.
Ihr arbeitet von Wien aus mit Musikschaffenden aus vielen Ländern. Was bedeutet dir die Szene vor Ort dabei? Gibt es einen Ort oder eine Begegnung in Wien, ohne die Klanggalerie heute anders wäre?
Ich bin ja auch ein Teil des Veranstalterkollektivs Liccht. Da arbeiten wir sehr viel mit österreichischen Musikern zusammen. Ich habe auch im Impro- und Jazzbereich mit ganz vielen fantastischen österreichischen Musikern kollaboriert und tue das immer noch. Vor vielen Jahrzehnten war sicher das Rhiz der Ort, der mein Musikempfinden am stärksten geprägt hat. Heute ist es vielleicht das Porgy & Bess.
Keine Platte für alle.
Wenn jemand Klanggalerie noch gar nicht kennt: Welche Platte würdest du dieser Person als Erstes in die Hand drücken – und was würdest du ihr vor dem Hören dazu erzählen?
Das kommt ganz darauf an, was die Person gerne hört. Wir haben ja von Jazz über Rock zu Noise und Elektronik ganz viele verschiedene Stile am Label. Da würde ich definitiv nicht jedem die gleiche Veröffentlichung in die Hand drücken.
Walter Robotka
Interview per E-Mail · Redaktion und Bildgestaltung: SCENE:ID. Courtesy of Walter Robotka